Unser Schachschiedsrichter IM Michael Richter spielt die beste Bundesligapartie des Jahres0 Kommentare

Posted by Andreas in CBCB, Schachtraining (Dienstag September 25, 2007 at 12:30 pm)

Michael Richter Web
Der Internationale Meister Michael Richter, seines Zeichens Schachschiedsrichter bei allen wichtigen Schachboxveranstaltungen der letzten Jahre und Leiter der Schachschule Berlin hat den Preis für die beste Schachpartie der Bundesligasaison 2006/07 bekommen.
Ich habe Michael gebeten für den CBC-Berlin seine fantastische Partie mit einem weit berechneten Damenopfer zu kommentieren.
Ich hoffe ihr findet Zeit sie mal nachzuspielen !
Auf bald
Euer Schachtrainer Andreas

Richter,M (2396) - Hertneck,G (2520)
BL 0607 (10.7), 24.02.2007

1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.e3 c5 4.Ld3 b6 5.0-0 Le7 6.c4
Mit Zugumstellung hat sich das Zentralsystem der Damenindischen Verteidigung ergeben. Ich hatte diesen Aufbau ursprünglich für die erste Runde der Bundesligasaison vorbereitet aber nicht aufs Brett bekommen. Ein paar Runden später gegen Bann und jetzt gegen Tegernsee klappte es.
6…Lb7 7.Sc3 a6
Schwarz macht einen nützlichen Abwartezug. Ich wusste noch, dass es ihn gibt, konnte mich aber nicht mehr an die Fortsetzung erinnern. Daher verfiel ich in ca. 10 minütiges Nachdenken. [ 7…cxd4 8.exd4 d5 9.cxd5 Sxd5 10.Se5 0-0 11.Dh5 Sf6 12.Dh4 Sc6?? 13.Lg5 g6? 14.La6!+-;
7…0-0 8.d5 exd5 9.cxd5 Sxd5 10.Sxd5 Lxd5 11.Lxh7+ Kxh7 12.Dxd5±]
8.dxc5
Das ist nicht ungefährlich für Weiß, da Schwarz einen Mehrbauern im Zentrum bekommt. Meistens wird 8.b3 oder Te1 gespielt. 8…bxc5 9.b3
Die nächsten Züge sind jetzt wieder recht klar gewesen und wurden schnell ausgeführt.
9…d6 10.Lb2 Sbd7 11.De2 0-0 12.Tad1 Dc7 13.Sg5!?
Vor diesem Zug dachte ich mindestens 25 Minuten nach und hätte am liebsten noch eine Stunde rangehängt, da ich die Folgen von h6 nicht richtig abschätzen konnte. Hier ist eine ganz wichtige Problematik verborgen. Ich neige in solchen Stellungen dazu, alles ausrechnen zu vollen. Dummerweise ist die Stellung einfach zu kompliziert und nach etwa 40 Minuten geht die Kraft und Zeit aus, die dann zu einem späteren und wichtigeren Zeitpunkt fehlt. Kurz gesagt: Ich neige dazu mich selber kaputt zu rechnen.
Pos1
13…Tfd8
Mein Gegner spielte diesen Zug praktisch a tempo und die lang berechneten Varianten mit f4 waren hinfällig.
[ 13…h6 14.f4!? hxg5 15.fxg5 Sh7 Diesen Zug habe ich die meiste Zeit gerechnet. ( 15…Se8 16.Dh5 f5 17.e4! und Weiß steht besser.) 16.Lxh7+ Kxh7 17.Dh5+ Kg8 18.Sd5!! exd5 19.Lxg7! Kxg7 20.Dh6+ Kg8 21.Tf4! Schwarz hat ganze drei Figuren mehr, kann das Matt aber nicht verhindern. In der Vorausberechnung habe ich Tf4 leider übersehen und die Stellung als bestenfalls Remis für mich eingeschätzt.]
14.f4 h6 15.Sf3 d5 16.f5 dxc4?
[ 16…Ld6! 17.fxe6 fxe6 Jetzt wirkt sich der schwarze Mehrbauer im Zentrum aus. Weiß hat keine klare Idee. Während der Partie hatte ich c:d5 e:d5 Lf5 geplant. Hier steht der Schwarze aber etwas besser. 18.cxd5 exd5]
17.Lxc4!
Bereits hier musste ich die Folgen von 17. L:c4 e:f5 18.Sh4 Sg4 19.D:g4 richtig berechnen.
17…exf5 18.Sh4
Jetzt verfiel mein Gegner in langes Nachdenken, sodaß ich mir sicher war, dass er D:g4 gesehen hat. Daher begann ich mich ausführlicher mit Ld6 und Se5 zu beschäftigen. Bei Ld6 konnte ich folgende schöne Variante am Brett finden.
18…Sg4?? Mein erster Gedanke war, dass ich bei der Vorausberechnung etwas übersehen hatte. Daher zwang ich mich nochmals mehrere Minuten die Varianten nach D:g4 zu berechnen. Glücklicherweise ist der weiße Vorteil danach aber viel zu groß. Weiß steht klar auf Gewinn, obwohl er zunächst nur eine Figur für die Dame hat. In der Analyse stellte sich heraus, dass sich mein Gegner in der Variante L: f7+ Kh7 verirrt hatte und daher nicht viel an D:g4 rumgerechnet hat.
[ 18…Ld6? 19.Lxf7+! Kxf7 ( 19…Kh8 Das ist besser, verliert aber auch einfach.) 20.Dc4+ Ke8 21.De6+ Le7 22.Sxf5! Se5™
Jetzt habe ich das einfache S:g7 bis zum Gewinn für Weiß ausrechnen können. Viel schöner ist aber Dg8+!! 23.Dg8+ Lf8 ( 23…Sxg8 24.Sxg7#) 24.Txd8+ Txd8 25.De6+ Le7 26.Sxg7+ Kf8 27.Txf6+ Lxf6 28.Dxf6+ Kg8 29.Se6+-]
Pos2
19.Dxg4! fxg4 20.Txf7!
Jetzt wird die Stärke der weißen Figuren offensichtlich. Man hat den Eindruck, dass Weiß zwei Mehrfiguren und nicht eine Dame weniger hat.
20…Dc6
[ 20…Se5 21.Txe7+ Sxc4 22.Txc7 Sxb2 23.Txd8+ Txd8 24.Txb7 Ich habe diese Variante bestimmt acht Mal gerechnet, da ich Probleme mit dem Figuren zählen hatte. Aber Weiß hat wirklich eine Mehrfigur.;
20…Kh8 21.Txe7 ist ebenfalls hoffnungslos.]
21.Txe7+ Kh8 22.Sd5
[ 22.Se4!? Tg8 23.Td6! und Schwarz wird ebenfalls böse überrollt.]
22…Tg8 23.Txd7
Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten. Ich entschloss mich aber, den ganz sicheren Weg zu gehen.
23…Dxd7 24.Sg6+ Kh7 25.Sf6+ gxf6 26.Lxg8+!
Weiß verbleibt mit einer Mehrfigur und daher gab Schwarz auf.
1-0