Ein Dom, der kocht

Gianluca Sirci gewinnt europäischen Titel – und erweist sich einmal mehr als abgebrühter Schwergewichtsboxer wie cleverer Schachtaktiker.
Von Helmut Kuhn

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London im Oktober. Selten kochte ein Dom so wie dieser: Flankiert von Todeswünschen und heftigsten Buh-Rufen aus dem äußerst hitzigen englischen Publikum trat der italienische Schwergewichtsboxer Gianluca „Il Dottore“ Sirci gegen seinen Herausforderer Andrew „The Rock“ Costello im Boston Dome einen schweren Kampf an. Es ging immerhin um die erste Europameisterschaft im Schachboxen nach Version der WBCO. Die beiden waren keine Unbekannten: Im letzen Jahr standen sie sich bereits in Berlin vor rund 1000 Zuschauern gegenüber. Sirci, mit einem Kampfgewicht von rund 120 Kilo dem rund 20 Kilo leichteren Costello physisch überlgen, konnte den Fight durch eine umstrittene Disqualifizierung für sich entscheiden.

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Umso spektakulärer das Wiedersehen vor heimischem Publikum für den ehemaligen Ulitmate-Fighter Costello. Gut austrainiert begann er seine Schach- wie Boxrunden energisch und schnell. Er konnte punkten und etliche Punches anbrigen. Doch der schwerfälligere Sirci deckte sich gut. Er blieb beständig in der Ringmitte und ließ den Herausforderer arbeiten. Auf dem Schachbrett zeigte er Überlegenheit. Sirci hatte in der Vergangenheit an seinem Schachspiel beständig gearbeitet, wie er nach dem Kampf sagte. Das zahlte sich aus: in der 9. Runde zwang er Costello, der selbst seit Jugendzeiten an als Wunderkind am Brett gilt, in die Knie.

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Es war ein aufregender und zuletzt wegweisender Kampf: obwohl Sirci, als Profiboxer durchaus über einen harten Punch verfügend, nicht in der Lage war, den technisch nicht überragenden, aber schnelleren Costello auszuknocken, konnte er ihm seine Taktik und letztlich den Sieg auf dem Brett aufzwingen. Sirci ist somit der erste Schachbox-Europameister im Schwergewicht.

Die ganze Fotoreportage von James Bartisok findet ihr hier.