Sascha Waaaaandkowski!

Nach genau drei Jahren meldete sich der Chess Boxing Club Berlin wieder dort, wo die Mär vom Schachboxen endlich Realität wurde. Auf einem alten Brachgelände in Berlin-Mitte, mit Sichtschutz dreier Seecontainer und einer Mauer aus Wellenblech, fing 2004 alles an.

36 Monate später standen genau an gleicher Ort und Stelle zwei ausgebildete Kämpfer aus dem CBCB – um ,,Iepe the Joker” und ,,Luis the Lawyer” bei den Gastherren vom Guerillakollektiv Platoon zu folgen. Sascha Wandkowski trat an gegen Alexander Troll.

Angst vor schnellem Sieg

Schwarze Hose gegen rote Hose. So sah der Showkampf aus, der wegen Alexanders Motorradverletzung nicht mit einem KO enden durfte. Trotzdem fing der Kampf wie ein Blitzkrieg an. Schneller als je zuvor zogen die Kontrahenten ihre Schachfiguren.

Die Zuschauer schauten gebannt auf den Ring, wo zwei Sportler mit Kopfhörern von Tipps und Tricks verschont blieben. Andere Fans schauten auf die Fernsehapparate, die den Kampf gleichzeitig übertrugen. Das Publikum hatte Angst, dass der Fight schon wieder in der ersten Runde entschieden werden konnte.

Aber die beste Arbitrage steht oft an der Seitenlinie. Während die Jungs unter Hochspannung Züge und Strategien berechneten, holte das durchgestylte Berlin-Mitte-Publikum noch mal zwei Bratwürste und Becksbieren.

,,Vergiss nicht deine Brille!”

Dann hiess es ‘Ring frei – für die nächste Runde!’ Kommentator Jan Schulz hatte einen Damentausch signalisiert und kommentiert, die Trainer Gert Rücker und David Pfeiffer bereiteten ihre Schützlinge Sascha und Alexander auf ihr Box-Debüt vor. ,,Mach mal ne Gerade”, soufflierte Gert. ,,Aber vergiss nicht deine Brille abzusetzen.”

Viele Schachboxer wissen, wie schwierig es ist, nach dem Schachdenken auf den Boxkampf umzuschalten. ,,Extrem kompliziert”, gibt Kommentator und Schachlehrer Andreas Dilschneider zu. Er weiss nach seinem Kampf gegen den bulgarischen Europameister ganz genau, wie anstrengend der Wechsel zwischen Brett und Ring ist.

David Pfeiffer, der vor kurzem unsere Schachboxschule verstärkt hat, gibt Alexander den Rat: ,,Gib mal Dampf, mehr Gas.” Das gleiche Adagium kriegen die CBCB-Mitglieder jeden Dienstag, wenn der Trainer sie unbarmherzig zu Hochleistungen anspornt.

Apotheose

Dann die 11. Runde. Alex gerät in Zeitnot. ,,Die Lage ist hochdramatisch”, ruft Andreas Dilschneider durch sein Mikrofon. ,,Und der Kampf ist … aus!” Hunderte jubeln. Die Menge klatscht. Der Showkampf ist vorbei. Der Schiri nimmt die Hand von Sascha hoch. ,,Sascha Waaaaandkowski!” ruft der Ringannouncer.

,,Mein Schach hat das Spiel entschieden”, sagt der klitschnasse Sieger später im grünen Seecontainer, der als Umkleidekabine umfunktioniert ist. ,,Ich hatte einen Bauer mehr im Zentrum”, erklärt der 29-jährige Sascha kurz, bevor der ‘Don King des Schachboxens’, Iepe Rubingh, ihm gratuliert.

,,Ich hatte viel mehr Zeit und machte keine Fehler”, sagte Sascha. Er bekam zwei Türme auf einer Linie und ahnte, das war ein Himmelgeschenk. Obwohl seriös gekämpft wurde hatte er ,,keine Angst vor einem KO”. Dann verschwindet der 81 Kilo schwere Matador in die Nacht, um sich ein Feierabendbier zu holen.

Alexander fordert Neuauflage

,,Ich freue mich, die lange Distanz gespielt zu haben”, erzählt zu später Stunde Alexander Troll. Nach seinem Unfall konnte er erst seit 10 Monate wieder joggen und nun stand er schon im Ring. ,,Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Es war einerseits ein schöner Kampf, ich habe aber verloren.”

Man hat gesehen wie Alex seine Stellung offensiv aufbaute, sich dann aber entschied, seine Schachfiguren zurückzuziehen. ,,Ich hatte keinen Plan”, so Alexander. Es folgte ein Bauerknackpunkt und ein Läuferspiess. ,,Aber ich will wieder gegen Sascha ran. Ich hab meinen Max noch nicht erreicht.”

ROB SAVELBERG

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